Montagnes de neige

RICHARD HAMILTON
Montagnes de neige
ca. 1975-78
Farbkreide auf Karton
50 x 65 cm
Signiert unten rechts

In Venedig, wo er lebte, verhaftete ihn die Gestapo 1944 wegen angeblicher Widerstandsaktivität und deportierte ihn im November nach Dachau. Das Leiden war unmittelbar und ununterbrochen bis zur Befreiung des Lagers durch die Amerikaner im April 1945.
Alles, was ich vor Dachau gemacht habe, war anonyme Malerei. Ich war nichts als ein junger Mann, denn es amüsierte, in der Welt herumzulaufen.
Während der letzten Wochen vor der Befreiung, als sich die Aufsicht bereits gelockert hat, gelingt es Music, zu zeichnen. Das Material, Papier und Tinte, die er mit Wasser streckt, damit sein »Diebstahl« nicht auffällt, beschafft er sich im Büro der Architekten,bgleichfalls Deportierten.
Ich zeichne wie in Trance. In einer morbiden Weise bleibe ich an dem Stückchen Papier hängen. Ich bin wie geblendet durch die unwirkliche Größe dieses Lagers voller Leichen. Aus der Ferne erscheinen sie mir wie Flächen weißen Schnees, wie silberne Reflexe auf den Bergen. Oder auch vergleichbar den weißen Möwen, die auf der Lagune sitzen, angesichts des schwarzen Hintergrundes eines von ferne nahenden Gewitters…
Ich war in einem fieberhaften Zustand und verspürte das unwiderstehliche Bedürfnis zu zeichnen, damit mir diese grandiose und tragische Schönheit nicht entging. Ich lebte nur für diesen Taq. Morgen würde es zu spät sein. Das Leben, der Tod – für mich hing alles an diesen Papierblättern.
Als die Amerikaner das Lager im April 1945 befreiten, kehrte Music, nach einem kurzen Aufenthalt in Gorizia, nach Venedig zurück. Er malte Pferdegruppen vor ocker- und sienafarbenen dalmatinischen Landschaften, verlassene Hügel, die sich im Nachhinein als die Anfänge seines Zyklus “Wir sind nicht die Letzten” entpuppten, den er 25 Jahre nach Dachau 1970 begann und 1988 beendete und dessen übereinander gestapelte Leichen an die dalmatinischen Hügel erinnern

€ 6000.-

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